Am Freitagvormittag, 28. August 2026, hat ein aussergewöhnlich heftiges Unwetter den Norden des Kantons Zürich getroffen. Innerhalb von nur 30 Minuten gingen bei der Einsatzleitzentrale Schutz & Rettung Zürich rund 450 Notrufe ein – so viele wie sonst an einem ganzen Tag. Besonders betroffen waren Seuzach, Neftenbach, Bülach, Winterthur und Stadel. Meteo Schweiz sprach von einer Superzelle mit Hagelkörnern bis zu 5 Zentimeter Durchmesser und stufte die Gewittergefahr für den Kanton Zürich auf Stufe 4 ein, «grosse Gefahr».
Neben Fahrzeugen, Fensterscheiben und Dächern haben die Hagelkörner auch zahlreiche Solaranlagen getroffen. Aus Bachenbülach wurde bereits gemeldet, dass mehrere Solarpanels durch den Sturm in Mitleidenschaft gezogen wurden. Der Fachverband Swissolar empfiehlt betroffenen Betreibern, ihre Anlage im Zweifel möglichst rasch vom Stromnetz zu trennen.
Wenn Sie eine Photovoltaikanlage im Kanton Zürich besitzen, lohnt sich jetzt ein genauer Blick aufs Dach – auch wenn auf den ersten Blick alles in Ordnung aussieht. Denn die grösste Gefahr bei Hagel steckt nicht in den Schäden, die man sofort sieht.
Warum Hagel Solarmodulen gefährlich werden kann
Solarmodule, die in der Schweiz verkauft werden, müssen die Norm IEC 61215 erfüllen. Diese schreibt einen Hageltest mit Körnern von etwa 25 Millimeter Durchmesser bei rund 23 m/s Aufprallgeschwindigkeit vor. Ein normaler Sommerhagel hält ein intaktes Modul also in aller Regel aus. Beim gestrigen Ereignis wurden im Kanton Zürich jedoch Hagelkörner bis zu 5 Zentimeter gemessen – deutlich mehr, als die Prüfnorm abdeckt. In einem solchen Fall reicht ein Blick auf das Glas nicht aus, um eine Solaranlage als unbeschädigt einzustufen.
Sichtbare Schäden: der erste Check vom Boden aus

Bevor Sie selbst aufs Dach steigen, werfen Sie am besten zuerst vom Boden oder von einem sicheren Fenster aus einen Blick auf die Anlage. Achten Sie auf:
- Gesprungenes oder gesplittertes Glas auf den Modulen
- Verbeulte oder verbogene Modulrahmen
- Lockere, verschobene oder abgerissene Halterungen
- Lose oder beschädigte Kabel und Steckverbindungen
- Beschädigungen an Dachziegeln rund um die Anlage
Ist die Glasabdeckung eines Moduls gesprungen, ist meist bereits Feuchtigkeit eingedrungen. In diesem Fall droht ein Kurzschluss, und die betroffene Anlage sollte – ganz im Sinne der Empfehlung von Swissolar – vom Netz getrennt werden, bis ein Fachbetrieb sie kontrolliert hat. Steigen Sie nach einem Unwetter nie selbst auf ein nasses oder möglicherweise beschädigtes Dach. Herabfallende Ziegel, Äste oder scharfkantige Splitter sind gerade jetzt eine reale Gefahr.
Die unsichtbare Gefahr: Mikrorisse in den Solarzellen
Deutlich tückischer als ein gesprungenes Glas sind Mikrorisse. Dabei handelt es sich um feine Risse in den Solarzellen unter der intakten Glasoberfläche, die beim Aufprall grosser Hagelkörner entstehen. Von aussen ist ein Modul mit Mikrorissen praktisch nicht von einem unbeschädigten zu unterscheiden – die Zelle sieht sauber aus, arbeitet aber nicht mehr richtig.
Das Tückische daran: Die Leistung sinkt nicht sofort spürbar, sondern schleichend. Untersuchungen zeigen, dass unentdeckte Mikrorisse die Modulleistung über mehrere Jahre um bis zu 20 bis 30 Prozent senken können. Wer nach einem Hagelereignis nicht genauer hinschaut, bemerkt den Ertragsverlust oft erst auf der nächsten Stromabrechnung – oder gar nicht, weil er ihn für normale Alterung hält.
Ein erster Hinweis liefert Ihr Monitoring: Vergleichen Sie die aktuellen Ertragsdaten in der App oder im Webportal Ihres Wechselrichters mit einem Tag ähnlicher Wetterbedingungen vor dem Sturm. Ein plötzlicher, unerklärlicher Rückgang von mehr als 10 Prozent ist ein deutliches Warnsignal für verborgene Zellschäden.
Hotspots: wenn beschädigte Zellen zum Brandrisiko werden
Eine beschädigte Solarzelle leitet den Strom nicht mehr gleichmässig weiter. An diesen Stellen kann sich die Energie stauen und in Wärme umgewandelt werden – es entsteht ein sogenannter Hotspot. Im ungünstigsten Fall überhitzt die betroffene Stelle so stark, dass sie das Modul oder sogar die Dachkonstruktion beschädigt. Hotspots sind mit blossem Auge nicht erkennbar, lassen sich aber mit einer Wärmebildkamera zuverlässig sichtbar machen, da beschädigte Zellen im Thermogramm deutlich wärmer erscheinen als ihre Umgebung.
Checkliste: Das sollten Sie nach dem Hagelsturm tun
- Sicherheit zuerst. Bei sichtbarem Glasbruch die Anlage vom Netz trennen und nicht selbst aufs Dach steigen.
- Dokumentieren. Fotos von allen sichtbaren Schäden machen – vom Boden aus oder mit Zoom, Datum und Uhrzeit notieren.
- Ertragsdaten prüfen. Monitoring-App öffnen und Werte mit einem vergleichbaren Tag vor dem Unwetter gegenüberstellen.
- Versicherung informieren. Der Schaden sollte zeitnah gemeldet werden, idealerweise noch bevor Reparaturen erfolgen.
- Fachbetrieb beiziehen. Nur eine professionelle Prüfung mit Sichtkontrolle und Thermografie zeigt zuverlässig, ob und wo Mikrorisse oder Hotspots vorliegen.
Wie Eno Solar Ihre Solaranlage nach dem Hagel prüft

Nach Hagelereignissen wie diesem bieten wir als ESTI-zertifizierter Fachbetrieb aus Brüttisellen eine gezielte Kontrolle für Solaranlagen im Kanton Zürich an. Unsere Techniker führen dabei zwei Schritte durch:
Sichtprüfung vor Ort: Wir kontrollieren Module, Rahmen, Unterkonstruktion, Verkabelung und Anschlüsse auf sichtbare Schäden und prüfen, ob die Anlage sicher am Netz bleiben kann.
Thermografie: Mit einer Wärmebildkamera erfassen wir die gesamte Anlage im Betrieb und identifizieren Hotspots und Auffälligkeiten, die auf beschädigte Zellen hinweisen – bevor daraus ein spürbarer Leistungsverlust oder ein Sicherheitsrisiko wird.
Im Anschluss erhalten Sie einen klaren Befund: Ist die Anlage unversehrt, gibt es Handlungsbedarf, oder müssen einzelne Module ersetzt werden? Diese Unterlagen sind auch für die Meldung an Ihre Gebäude- oder Photovoltaik-Versicherung hilfreich.
Sind Sie im Kanton Zürich vom gestrigen Hagelsturm betroffen und möchten Ihre Solaranlage prüfen lassen? Fordern Sie jetzt eine kostenlose Einschätzung an oder kontaktieren Sie uns direkt – wir melden uns kurzfristig bei Ihnen.
Versicherung: Was Sie jetzt wissen sollten
Ist Ihre Photovoltaikanlage fest mit dem Gebäude verbunden, ist sie in den meisten Fällen über die Gebäudeversicherung des Kantons Zürich mitversichert, sofern die Anlage bei der Versicherung angemeldet wurde. Prüfen Sie zudem, ob die Deckungssumme Ihres Vertrags dem aktuellen Wert Ihrer Anlage entspricht – gerade bei älteren Policen ist das nicht immer der Fall. Eine lückenlose Dokumentation der Schäden, im Idealfall ergänzt durch einen Thermografie-Bericht, erleichtert die Schadenregulierung erheblich.
Häufige Fragen zu Hagelschäden an Solaranlagen
Wie erkenne ich, ob meine Solaranlage einen Hagelschaden hat? Prüfen Sie zunächst vom Boden aus, ob Glas, Rahmen oder Halterungen sichtbar beschädigt sind, und vergleichen Sie die Ertragsdaten in Ihrer Monitoring-App mit einem Tag vor dem Unwetter. Für eine zuverlässige Aussage zu unsichtbaren Schäden wie Mikrorissen oder Hotspots braucht es eine fachliche Prüfung mit Wärmebildkamera.
Muss ich meine Solaranlage nach dem Hagelsturm sofort vom Netz nehmen? Bei sichtbarem Glasbruch ja – dann besteht Kurzschlussgefahr. Swissolar empfiehlt betroffenen Anlagenbesitzern, im Zweifel schnell zu handeln und die Anlage vorsorglich vom Netz zu trennen, bis sie geprüft wurde.
Was ist der Unterschied zwischen einem sichtbaren Schaden und einem Mikroriss? Sichtbare Schäden wie Glasbruch erkennt man mit blossem Auge. Mikrorisse entstehen unter der intakten Glasoberfläche und sind von aussen nicht sichtbar, senken aber schleichend die Leistung der betroffenen Module.
Wie lange dauert eine Kontrolle mit Sichtprüfung und Thermografie? Bei einer durchschnittlichen Einfamilienhaus-Anlage dauert die Vor-Ort-Prüfung in der Regel wenige Stunden. Danach erhalten Sie eine Rückmeldung mit den Ergebnissen und, falls nötig, den nächsten Schritten.
Übernimmt die Versicherung die Kosten für den Austausch beschädigter Module? In der Regel ja, sofern die Solaranlage in Ihrer Gebäude- oder Photovoltaikversicherung eingeschlossen ist. Voraussetzung ist eine saubere Dokumentation des Schadens gegenüber der Versicherung.
Sie planen ohnehin eine neue oder zusätzliche Solaranlage im Kanton Zürich? In unserem Solar Ratgeber finden Sie weitere Beiträge, unter anderem zu Photovoltaik für Einfamilienhäuser, zur ewz-Förderung 2026 und zu Photovoltaik für Mehrfamilienhäuser. Mehr über unsere Zertifizierungen und unser Team erfahren Sie über uns.










